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Vorstand der Intersteno - Änderungen im Reglement C-B-A

Ende Januar traf sich in Mailand der Vorstand der Intersteno, einer internationalen Organisation, die sich seit 1887 mit der Texterfassung und –verarbeitung beschäftigt und als Veranstalter von Weltmeisterschaften bekannt ist.

In dem reichhaltigen Programm dieser Sitzung war für die Teilnehmer an den Welt-meisterschaften ein Punkt besonders interessant:

„Änderungen im Reglement für den Wettbewerb „Texterfassung C-B-A“

Viele Jahre erfolgte bei diesem ältesten Wettbewerb der Intersteno die Aufnahme einer Ansage in steigender Geschwindigkeit mittels grafischer Stenografie, also auf dieselbe Weise, wie wir das auch heute noch im tschechischen Parlament sehen können. Erst später erfolgte die Aufnahme auch mithilfe von Stenografierma-schinen sowie in den letzten Jahren auch mit der Technik der Spracherkennung. Seitdem gibt es entsprechend der verwendeten Technik drei separate Ergebnislis-ten.

Bei der Weltmeisterschaft in Peking 2009 hat sich die Spitzenqualität der chinesi-schen Maschinenstenografen gezeigt – auch wenn der Vergleich mit den Leistungen der Stenografen in anderen Sprachen sehr problematisch ist, da eine Silbe auf Englisch oder Tschechisch nur schwer mit einer Silbe auf Chinesisch vergleichbar ist.

Unmittelbar vor der Sitzung in Mailand wurde betont, dass es im Reglement für den Wettbewerb „Texterfassung C-B-A“ eine wesentliche Neuerung für die Kategorie „Spracherkennung“ geben wird. Konkret soll in Paris 2011 als „Stenogramm“ (also die Unterlage, die der Teilnehmer nach Ende der Ansage zur Verfügung hat) nicht nur das gelten, was als Textdatei wirklich halbfertig vorhanden ist (ähnlich wie für grafische Stenografen die grafische Form der Arbeit, die erst in die Textdatei über-tragen wird), sondern auch die Tonaufnahme, die der Teilnehmer in der Kategorie „Spracherkennung“ mit eigener Stimme diktiert hat. Dieser Änderungsvorschlag ist bei der letzten Sitzung der Intersteno-Jury nicht diskutiert worden, und er stand bis zur Sitzung in Mailand in keinem schriftlichen Dokument zur Verfügung. Erst im Februar erschien das Protokoll über die Vorstandssitzung vom September 2010 in Budapest. Dort findet man aber lediglich die Notiz, dass der Leiter des Wettbewerbs „C-B-A“ gefordert hat, dass die Teilnehmer in der Kategorie „Spracherkennung“ nicht nur die entstandene Textdatei, sondern auch die Tonaufnahme ihrer Stimme zur Verfügung haben dürfen. Leider fehlt ein Hinweis, ob dieser Vorschlag gebilligt wurde.

Was bedeutet das praktisch? In dieser Kategorie werden als Leistung nicht die Kon-kurrenzfähigkeit und die praktischen Einsatzmöglichkeiten der Technologie Sprach-erkennung sowie die Stufe der Vorbereitung des Teilnehmers (jeder kann durch sogenanntes Training – Verbesserungen von falscher Interpretation der einzelnen Wörter oder Wortfolgen – die Zahl der richtig interpretierten Textabschnitten erhöhen) gewertet, sondern nur ihre Fähigkeit, schnell selbst den Text der Ansage umzudiktieren. Gefragt wird die schnelle und deutliche Aussprache. Bei der großzügig zur Verfügung stehenden „Übertragungszeit“ spielt es eigentlich kaum eine Rolle, ob 20 oder 80 Prozent der Ansage als Textdatei (erstes „Stenogramm“) zur Verfügung stehen, denn man kann problemlos mit zwei Fingern die fehlenden Passagen niederschreiben. Kontrolliert wird eventuell nur, dass diese Passagen in der Tonaufnahme nicht fehlen.

Damit können geschickte „Wiederholungsredner“ ohne große Mühe mit dem Trai-ning sehr gute Ergebnisse erreichen und im Vergleich mit den Ergebnissen in den Kategorien der grafischen und der Maschinenstenografie den Eindruck vermitteln, dass diese neue Technologie im Unterschied zu den jahrelangen Vorbereitungsarbeiten der Stenografen leicht und perfekt zu beherrschen sei.

Angesichts dieser Vision haben wir bereits mit dem Direktor des tschechischen Un-ternehmens, das die tschechische Variante der Spracherkennung verbreitet, abge-sprochen, einige geschickte „Wiederholungsredner“ ausfindig zu machen und sich so an das neue Reglement anpassen. Die Technologie allein ist ja fantastisch und, sinnvoll eingesetzt, sehr perspektivvoll. Wie auch unser verstorbener Freund Dave Rogala immer wieder betont hat, gibt es in Kombination mit einer guten Beherr-schung der Tastatur viele Bereiche, in der der Einsatz dieser Technologie Zeit spart oder (z. B. bei Behinderten) es überhaupt erst ermöglicht, mit dem Text umzugehen.

zav
(sprachliche Verbesserungen Manfred Kehrer)

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16. 2. 2011
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